Was ist eigentlich: ein Mediabarter

Nein, kein Schreibfehler. Nicht Berater, sondern Barter: Mediabarter.
Diese Berufsbezeichnung hat sprachlich einen angelsächsischen Ursprung („bartering“) und erlebte ökonomisch in der Zeit nach dem zweiten Weltkrieg eine Hochphase.

Viele nordamerikanische Unternehmen, die während des Kriegs für das Militär produzierten, mussten ihre Produktion auf zivile Güter umstellen. Dabei entstannt ein ungeheurer Kapitaldruck in dem Sinn, dass Produkte nicht mehr nur überflüssig waren, also nicht mehr verkauft werden konnten, sondern zusätzlich auch Kosten z.B. durch Lagerung verursachten. Das Geld, mit dem die Unternehmer auf ihre neuen Produkte hätten aufmerksam machen können, war dadurch gebunden.

Beim Bartering oder Barter-Clearing sucht man diese Engpässe bargeldlos mit so genannten Handelsgutschriften (credits) zu verrechnen. Diese Geschäfte werden im Gegensatz zum traditionellen Tausch nicht bilateral, sondern innerhalb eines Pools von Unternehmen abgewickelt. Nimmt der Kunde A dem Unternehmen B eine bestimmte Menge eines Produktes ab, so bezahlt der Kunde A nicht mit Geld, sondern mit „credits“; und mit diesen „credits“ kann das Unternehmen B, sofern ein entsprechendes Medienunternehmen im Pool vorhanden ist, nun bargeldlos bei diesem Medienunternehmen Werbe-Flächen und -Zeiten „tauschen“, um die Vermarktung seiner neuer Produkte anzuschieben, ohne dabei die geldlichen Mittel zu belasten.

Neben dem multilateralen Batering finder man auch Tauschmodelle, die, wie ein Insider es ausdrückt „aus Gründen der Transparenz“ bilateralen Charakter haben und im Bereich der Medien Waren direkt gegen Werbung tauschen.

Der Einkauf z.B. von Computermonitoren wird dann nicht mehr mit Münzen und Geldscheinen, sondern mit „Mediavolumina“ beglichen, worunter nichts anderes zu verstehen ist als Fernseh- und Radiospots, Plakataktionen und Anzeigen in Print- und Onlinemedien.

Selbstverständlich kann dieser „Tauschhandel“ den freien Markt nicht ersetzen, er ist aber dazu in der Lage, punktuelle Notlagen zu überbrücken.

Kommen wir hierzu noch einmal zurück auf die erwähnten Computermonitore. Bei diesen handelt es sich nämlich nicht um das aktuellste, sondern um ein Auslaufmodell, das nach Anfahren der neuen Produktion Vertriebskanäle verstopft und Lagerkapazitäten besetzt und dadurch die Vermarktung des neuen Produkts hemmt. Hier kommt der Mediabarter ins Spiel. Er bietet dem Hersteller an, die alten Monitore zu übernehmen, diese aber nicht mit Geld zu bezahlen, sondern gegen Werbung zu „tauschen“, worüber der Monitor-Hersteller sich freuen mag, denn er wird seine alten Displays los und kann für die neuen die Werbetrommel rühren.

Als vermeindlicher Samariter auftreten kann der Mediabarter aber nur, weil er mindestens zwei Geschäftspartner kennt, von denen er weiß, dass der eine ihm Werbekapazitäten überläßt und der andere Verwendung für Computermonitore hat, bei denen es nicht darauf ankommt, dass es sich um das neueste Modell handelt.

Bei dieser Art von „Tauschgeschäften“, deren Nischencharakter in einer Marktwirtschaft unübersehbar ist, kommen dem Mediabarter auf der einen Seite kurze Innovationszyklen und Saisonwaren zugute, und auf der anderen Seite – bei den Medien – ein tendenziell permanent bestehendes Überangebot an Werbekapazitäten, die nicht nur einfach verfallen, wenn sie nicht genutzt werden, sondern auch auch substituierbar sind, austauschbar: dieselbe Zielgruppe kann sehr oft von unterschiedlichen Medien erreicht werden.
mehr zu diesem Thema:

hier (mandmglobal)
hier (daily telegraph) und
hier (internet world)

 

Schreibe einen Kommentar