verbreitet

Bei der Medienbeobachtung erhält der Kunde nicht nur den losen, ausgeschnittenen Zeitung- oder Zeitschriftentext. Nein, er erhält diesen feinsäuberlich ablösbar aufgezogen auf einem so genannten Medienblatt. Das Medienblatt enthält alle die Daten, die durch den “Ausschnitt” verloren gegangen sind – weggeschnitten wurden. Zu den wichtigsten Angaben gehören dabei die Quelle und das Erscheinungsdatum. Nachgewiesen werden aber auch mindestens zwei Auflagenzahlen: die verkaufte und die verbreitete, wobei diese zuletzt genannte immer höher liegt als jene, weil sie neben den verkauften zum Beispiel auch Ansichts-, Beleg- oder Probeexemplare umfasst. Darüber hinaus gibt es Medien, die nur “verbreitet“ werden. Wie etwa die wöchentlich erscheinenden Anzeigen- oder Wochenblätter – im Volksmund auch “Käseblätter” genannt.
Heute ist mir eine Publikation auf den Tisch gekommen, bei der das Verhältnis zwischen verkaufter und verbreiteter Auflage besonders “interessant” ist: die DLG Lebensmittel. Die verkaufte Auflage gibt die IVW (Informationsgemeinschaft zur Feststellung der Verbreitung von Werbeträgern) bei dieser, in Frankfurt erscheinenden Fachzeitschrift mit “2” (in Worten: zwei) an, die verbreitete Auflage mit 10.054.

Arbeit

Wenn ein neuer Kunde eine Medienbeobachtung in Auftrag gibt, wird er in der Regel gefragt, ob es einen kleinen Text gibt, der beschreibt, worum es bei dem, wonach wir suchen sollen, geht. Das soll den Blick der Lektorinnen und Lektoren etwas schärfen, denn es kann ja nicht darum gehen, eine Nadel im Heuhaufen zu suchen. Der Kunde kommt diesem Wunsch in aller Regel gerne nach.
Die Ergebnisse, die die Lektoren finden, gehen alle noch einmal über meinen Tisch. Im Schnelldurchgang versuche ich – soweit möglich – Fehler aufzuspüren und zu korrigieren. Manchmal enthält ein Text die notierte Suchvorgabe gar nicht, manchmal ist die Quellenangabe unzureichend. Der Kunde wird mit diesen Unzulänglichkeiten nicht belästigt, wenn ich meine Arbeit gut mache.
Nun liegt gestern plötzlich ein kurzer Text vor mir, in dem es um einen Bankraub geht. Nein, weiß ich, weder die Polizeibehörde noch die genannte Bank sind Kunden. Ich will den fraglichen Ausschnitt schon fast wieder zurückgeben, als mein Blick, wie durch Zufall, auf das Foto der Überwachungskamera fällt. „Wer kennt diese Person?“, wird dort gefragt. Die Person kenne ich nicht, aber das Logo auf der Jacke fällt mir auf.
Den Medienbeobachtungsauftrag des besagten Kleidungsherstellers habe ich damals, glaube ich, sogar selbst entgegen genommen. Von einem Schwerpunkt „Arbeitskleidung“ war die Rede. Daran erinnere ich mich. Den Begriff „Arbeit“ aber so weit auszulegen, wäre mir im Traum nicht eingefallen. Wäre ich Lektor, ich hätte das bekannte Logo mit dem Vogel glatt übersehen.