So etwas wie ein Detektiv

Delmore Schwartz

James Atlas war nicht irgendjemand. Ein Freud sprach von ihm. Er sagte, Atlas sei so etwas wie ein Detektiv. Und seine Geschichte würde mich interessieren. Was bedeutet „so etwas wie ein Detektiv?“, wollte ich wissen. Ah, nichts, sagte Antonio, schaute auf seine Uhr, und ließ mich stehen. Er hatte so eine seltsame Art sich zu verabschieden, wenn man es überhaupt „verabschieden“ nennen kann.

Ich versuchte herauszubekommen, wer dieser James Atlas war und kam irgendwie nicht weiter. Immer wieder stolperte ich über einen zweiten Namen, der in Zusammenhang mit James Atlas auftauchte. Mr. Schwartz, Mr. Delmore Schwartz. Geboren 1913 in Brooklyn und auch dort verstorben. Mit 53 Jahren? In einem Hotel? An einem Herzschlag? Seltsam, dachte ich. Und natürlich dachte ich auch an Antonios Worte, dass Atlas so etwas wie ein Detektiv sei. „So etwas wie ein Detektiv…“, ich musste schmunzeln. Wenn er kein Detektiv war, musste Atlas ein Bulle sein. Mir war es egal. Aber warum sollte mich seine Geschichte interessieren? „So etwas wie ein Detektiv“ weiterlesen

150 Aktenordner

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Der Schriftsteller Uwe Johnson war sein eigener Ausschnittdienst. Er sammelte zwischen 1947 und 1983 Ausschnitte aus der New York Times, die sage und schreibe 150 Aktenordner füllten: das materielle Unterfutter für jedes der 365 Kapitel seines Romans „Jahrestage“, den Wikipedia folgendermaßen zusammenfasst: „Die Romanfolge, vor allem in Mecklenburg und New York spielend, ist tief geprägt vom Problem der deutschen Teilung. Der zeitliche Bogen des 1891 Seiten umfassenden Romans spannt sich vom Ende der Weimarer Republik (der Machtergreifung Hitlers) über die Anfänge der DDR bis zur Niederschlagung des Prager Frühlings im August 1968.“

Notbremse

Seit einiger Zeit tragen wir bei mediatpress® die Ausschnitte für ein ausländisches Tourismusministerium zusammen, das eine deutsche PR-Agentur mit der Lancierung fremdenverkehrsfördernder Texte in Zeitungen und Zeitschriften beauftragt hat. Der Tenor: in X kann man einen schönen Urlaub verbringen. Am vergangenen Wochenende ist es nun zu einem furchtbaren Zwischenfall gekommen, der wieder einmal eine der Haupteinnahmequellen des besagten Landes gefährdet. Die Details sind bekannt. Wie verhält man sich aber als Medienbeobachter? Denn durch den Vorfall wird eine Lawine von Meldungen in Print-, Online- und audiovisuellen Medien losgetreten, die beim Kunden sehr viel Arbeit und sehr hohe Kosten verursachen kann. Ganz einfach: diese, durch einen außergewöhnlichen Vorfall generierten Texte, erhalten einen Vermerk und werden nur dann zugestellt und abgerechnet, wenn der Kunde dies wünscht. Kundenseitig ging aber bereits am Samstagmorgen eine entsprechende Mail ein, so dass heute morgen klar war, dass die am Wochenende zusammengetragenen Ergebnisse NICHT auch noch zu einem Problem für den Kunden werden sollten. Intern sprechen wir bei einem solchen kurzfristigen Stornierungsvorgang auch von einer Notbremse.