Als neue Lektorin im Lektorat eines Medienbeobachters habe ich so manche kuriose Verwechslung erlebt und bin manchen Verwechslungen, sagen wir mal, zum Opfer gefallen. Eines Morgens meldete unser automatisches System eine „Nennung“ für einen unserer Kunden, ein Schreibwarenhersteller. Die Software hatte den Begriff „Stift“ erkannt und den Artikel entsprechend markiert.
Beim Überprüfen der Nennung hatte ich dann übersehen, dass der (Kon-)Text nicht von Schreibwaren handelte, und es nicht um einen Stift, sondern um ein Stift ging. Der besagte Text thematisierte nämlich in einer Reisebeschreibung säkularisierte und protestantisch gewordene Stifte in Süddeutschland mit Übernachtungsmöglichkeiten.
Solche Verwechslungen sind im Alltag gar nicht so selten, erklärte man mir später, denn die maschinellen Systeme erkennen zwar Wörter, aber nicht immer deren Bedeutung im jeweiligen Kontext. In diesem Fall war es unsere Aufgabe im Lektorat, die Nennung als irrelevant zu kennzeichnen; meine Aufgabe war es, später im Rahmen einer Teamsitzung von der Verwechslung, die von einer älteren Kollegin korrigiert worden war, zu erzählen.
Noch Wochen später musste ich mit den älteren Kollegen und Kolleginnen geduldig sein, wenn sie augenzwinkernd Scherze mit mir machen wollten, wenn irgendwo von „Stiften“ die Rede war. Deren dritte Bedeutung muss in diesem Zusammenhang natürlich auch noch erwähnt werden: das etwas veraltete Synonym für eine Auszubildende – wie ich eine war.
Diese kleinen Missgeschicke bringen nicht nur Abwechslung in den Arbeitsalltag, sondern zeigen auch, wie wichtig der menschliche Blick beim Medienmonitoring bleibt – und dass gegenseitiges Verständnis dabei nicht zu kurz kommen sollte.
