Medienkompetenz zwischen Journalismus und PR

In einem Interview mit der in Berlin erscheinenden taz-die tageszeitung sagt Lutz Frühbrodt, Professor für Fachjournalismus und Unternehmenskommunikation an der Hochschule Würzburg-Schweinfurt, dass oft die Marketingabteilungen in den Unternehmen sich den Social-Media-Quellen annähmen und deren Inhalte bestimmen. Dadurch, so Frühbrodt, wirkten diese Inhalte „häufig sehr emotional“ und zu unjournalistisch. Das sei keinesfalls das Interesse der Unternehmen, denen es weniger um Manipulation von Meinungen ginge – „was nur Widerstände provozieren würde“ – als a.) um die Platzierung von „Marketingbotschaften für ihre Produkte im öffentlichen Raum“ und b.) um das „Aufpeppen des eigenen Image“. Professionell arbeitende Marketingabteilungen, so der Würzburger Kommunikationswissenschaftler, wissen, dass sie nicht so glaubwürdig wie etablierte Medien sind und werden alles tun, um „journalistisch“ zu wirken, was ohne ein gewisses Maß von Versachlichung – man könnte auch von  „Verschleierung“ sprechen – nicht möglich ist. Auf Seiten der Medienkonsumenten bedarf es eines bestimmten Maßes an Medienkompetenz, um meinungsbildenden Journalismus von absatzfördernder PR zu unterscheiden. Andererseits sei es interessant festzustellen, dass Journalisten sich oft darüber beklagten, dass „sie bei Anfragen an Unternehmen oftmals länger warten müssen, weil diese verstärkt offensiv kommunizieren und (selbst) ihre eigenen Themen setzen wollen“.