In Kürze

Nicht alles, was in Zeitungen steht, ist gut. Manchmal ist es die Form, an der es fehlt, manchmal der Inhalt. Manchmal bedingt eins das andere.
So berichtet die vor mir liegende Sonntagszeitung auf der ersten Seite von einem Brand in einer Flüchtlingsunterkunft in Hamburg, bei dem drei Menschen ums Leben gekommen sind. Ein 13 Jahre alter Junge soll die Tat begangen haben, so die Meldung der Deutschen Presse Agentur. Der besagte Zeitungstext endet mit einem Zitat des SPD-Innensenators: „[Das] hat mich mehr als erschrocken und wütend gemacht…, dass offenbar ein 13-Jähriger, der sich gerade einer Jugendfeuerwehr angeschlossen hat, den Brand verursachte.“
Soweit die etwas zu kurze journalistische Auslassung.
Frage: Was veranlasst die Deutsche Presse Agentur zu dem angeführten Zitat, in dem ein Innensenator Entsetzen NICHT über den Tod einer Frau und ihrer sechs- und siebenjährigen Kinder ausdrückt, sondern über den guten Ruf der Jungendfeuerwehr schwadroniert? Antwort: Die Deutsche Presse Agentur (DPA) meldet das Wichtige und läßt das Unwichtige weg. Wichtig ist die Sorge um die Hamburger Jugendfeuerwehren und ihr guter Ruf; unwichtiger der erneute Tod von drei Personen in einer Flüchtlingsunterkunft.
Herr Michael Neumann ist aber so ganz unfair nicht zitiert worden. Auf seiner Website mit der etwas herrschaftlich klingenden Internetadresse neumann-hamburg.de gibt es einen ganzen Abschnitt, der den großen Titel „Erschrocken & wütend“ trägt. Hier heißt es denn auch über die Brandstiftung, die den Hamburger Innensenator erschrocken und wütend gemacht hat :“Erschrocken, weil ich mir die Frage stelle, wie ein junger Mensch eine solch schreckliche Tat begehen kann.“ Absatz, und weiter. „Wütend deshalb, weil unsere Freiwilligen Feuerwehren mit ihren Jugendfeuerwehren, die tagtäglich Großartiges für die Sicherheit der Hamburgerinnen und Hamburgern leisten.“ Abatz, und noch weiter. „Deshalb sind die Jugendfeuerwehren auch zurecht in 2013 für ihre vorbildliche Arbeit mit dem Deutschen Nationalpreis (sic) ausgezeichnet worden.“ Und der Innensenator ist deswegen wütend, nicht, weil seine Behörde es wieder einmal nicht geschafft hat, Menschen zu schützen, sondern weil ein 13-jähriges Mitglied der Hamburger Freiwilligen Feuerwehren nun den „Deutschen Nationalpreis“ entehrt hat.
Ich schlage die DPA und Michael Neumann für den DEUTSCHEN NATIONALpreis 2014 vor, weil sie für die deutschen Leser und Deutschland unerschrocken zu unterscheiden wissen zwischen dem, was wichtig, und den andern, die unwichtig sind.