Social Media: Plastik

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An anderer Stelle habe ich über den Zusammenhang zwischen sozialen Medien und öffentlicher Meinung geschrieben und eine Studie erwähnt, die sich damit befasste, wie Meinungsklima mit Hilfe von Social Bots innerhalb der sozialen Medien verändert wird. Im Zusammenhang mit den Ende Mai anstehenden Europawahlen wird wieder häufiger über dieses Thema gesprochen. Dabei wird das Verhältnis zwischen öffentlicher Meinung und sozialen Medien so verstanden, dass vor allem der Einfluss von facebook, Twitter und Co. auf die “wirkliche Wirklichkeit” problematisiert wird. Im folgenden möchte ich einen anderen Aspekt von Meinung in sozialen Netzwerken behandeln. Es geht um die Veränderung von Meinungen im Laufe der Zeit.

Nachgespürt werden soll dem Umstand, wie und wann sich das Verhältnis der Nutzerinnen und Nutzer zu “Plastik, Plastikverpackung und Plastikmüll” verändert hat.

Plastik ist ein Aspekt, der bei immer mehr Verbrauchern Kaufentscheidungen und Präferenzen beeinflusst. Eine Umweltstudie des Bundesumweltamtes zeigte bereits 2016, dass jeder fünfte Befragte auf die Frage, was die derzeit größte Herausforderung sei, Umwelt- und Klimaschutz antwortete. Plastik ist in diesem Kontext sicher einer der zentraleren Begriffe, der sich für eine nähere Untersuchung anbietet.

Wie wird im Bereich der Sozialen Medien mit dem Themenkomplex “Plastik/Plastikmüll” in Verbindung mit Nahrungs- und Lebensmitteln umgegangen? Unabhängig davon, was man für eine Meinung über die Funktion von facebook, Twitter und Co. in (mit entsprechender Infrastruktur ausgestatteten) Gesellschaften hat, muss man anerkennen, dass die sozialen Netzwerke die weltgrößte Datenbank für Meinungen sind. Um eine Untersuchung von Verbrauchertrends nicht nur zu diesem Thema durchzuführen, verfügt man damit also über eine geeignete Datenquelle. Um so mehr wenn man anerkennt, dass es nicht so sehr um absolute, sondern mehr um relative Meinungsäußerungen innerhalb eines bestimmten Mediums – Social Media – geht.

Neben den traditionellen sozialen Medien gibt es eine Datenquelle, die sich ebenfalls für entsprechende Untersuchungen anbietet: Google Trends. Als Einstieg in die Thematik “Plastik/Plastikmüll” kann man also auf Google Trends dem Such- und im Social Web dem Gesprächsvolumen mithilfe geeigneter Keywords nachspüren und alles in einer Graphik festhalten. Dabei zeigt sich, dass das Volumen für “Plastikverpackungen in Zusammenhang mit Lebensmitteln” zwischen dem 1. Januar 2015 und dem Frühsommer 2017 mit kleinen Veränderungen nahezu konstant geblieben ist. Anschließend ändert sich dieser Trend aber und man kann eine deutliche Zunahme des Such- und Gesprächsvolumen feststellen.

Plastikmüll

Am Ende des Untersuchungszeitraum, im Dezember 2018, hat sich das “Gesprächsvolumen” nahezu versechsfacht. Was aber ist im Frühsommer 2018 passiert, das der Buzz zu diesem Thema in einem halben Jahr so stark zunimmt? Buzz ist übrigens so etwas wie Mund-zu-Mund-Kommunikation oder Austausch von Meinungen im digitalen Raum.

Ein Blick ins Pressearchiv gibt die Antwort. Während hier zwischen 2001 und Anfang 2017 ganze sieben Meldungen zu dem Thema zu finden sind, sind es ab April 2018 bis heute knapp 700. Aber nicht zum Thema Plastik, sondern zum Verbot von Strohhalmen und dem EU-Verbot für Plastikgeschirr. Die Welt und die Frankfurter Allgemeine bringen als erste am 19.04.2018 entsprechende Meldungen, die sich aber noch auf Großbritannien beziehen, denn “London verbietet Strohhalme und Wattestäbchen” (faz.net) und “Trinkhalm-Bann – Briten heben Kampf gegen Plastik auf neues Level” (welt.de).

Auch die Analyse der Daten, die alleine Suchanfragen berücksichtigt, die das Wort “Plastikmüll” enthalten, zeigen für die letzten 5 Jahre eine ähnliche Tendenz: ab dem Jahr 2018 erfolgt ein deutlicher Anstieg, so dass es im Jahr 2018 in den Sozialen Medien durchschnittlich 340 Online-Beiträge pro Tag zum Thema Plastikverpackung und Plastikmüll (in Verbindung mit Lebensmitteln) gab.

Dieser Trend spiegelt sich nicht nur in Worten, sondern auch in Bildern wieder, in den Emojis, die das Thema Plastik und Lebensmittel in den Äußerungen von Nutzerinnen und Nutzern begleiten. Neben den Herzaugen, dem Zwinkern und Lächeln findet man in den letzten drei Jahren eine Zunahme vor allem von grünes Herz-, Pflanzen-, Obst- und Gemüse-Emojis.

Wie ist aber zu erklären, dass unter den genannten Lebensmitteln der Hashtag #Kaffee eine absolute Spitzenstellung einnimmt? Im Zusammenhang mit Plasikverpackungen findet man noch Hashtags wie #Nachhaltigkeit, #zerowaste und #unverpackt, aber #Kaffee steht auf Platz 2 der meist verwendeten Hashtags zum Thema Plastikverpackung überhaupt. Hier ist es eine Studie der Deutschen Umwelthilfe, die den Grund für die in den sozialen Medien getätigten Äußerungen beschreibt: in Deutschland werden pro Jahr sage und schreibe rund 2,8 Mrd. Einwegbecher für Coffee-to-Go verwendet. Und diese Becher kommen durchschnittlich nur 15 Minuten zum Einsatz. Allein in Berlin, so die Studie, sind es 170 Mio. Becher pro Jahr. Der Hammer!

https://www.duh.de/uploads/tx_duhdownloads/DUH_Coffee-to-go_Hintergrund_01.pdf

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