Medienüberwachung?

Beschäftigt man sich mal damit, wie bestimmte Anglizismen, die als Synonyme des Begriffs “Medienbeobachtung” gelten, übersetzt werden, dann bekommt man dann einen kleinen Schreck, wenn man “Media Monitoring” bei Google in die Suchmaske eingibt. Die Suchmaschine spuckt nämlich als Übersetzung von “Media Monitoring” den Begriff der “MedienÜBERWACHUNG” aus. Genauer gesagt “die Überwachung der Ausgaben von Print-, Online- und Broadcast-Medien”. Ist aber “Überwachung” nicht etwas anderes? Ein erneuter Blick nach Wikipedia hilft wenig. Erst das Grimmsche Wörterbuch hat die richtig Spur, indem es von “Beaufsichtigung” und “polizeilicher Überwachung” spricht. Und die Erklärung für “Medienüberwachung” als Übersetzung von “Media Monitoring” ist auf eine unsaubere, automatisierte Übersetzung von Google zurückzuführen, deren Grundlage ein englischer Wikipedia-Eintrag ist. Die kleine, bei Google zu findende Übersetzung wird deshalb eingeleitet mit den Worten “Aus dem Englischen übersetzt” und enthält, fairerweise, einen Link zum englischen Original. Bietet man den Originaltext einer anderen Übersetzungsmaschine an – wir hier bevorzugen deepl.com – heißt es auch schon nicht mehr “Medienüberwachung”, sondern richtiger Medienbeobachtung.

“Polizeischutz und Medienbeobachtung”

Als Medienbeobachter ist man daran gewöhnt, sein eigenes Metier als Medienbeobachtung zu bezeichnen. Zu der Tätigkeit, zu der man früher Ausschnittdienst oder gar Schnipseldienst gesagt hat, sagt man heute Medienbeobachtung oder Media Monitoring. Man denkt eigentlich, dass man weiß, wovon man redet. Eigentlich. Denn manchmal stößt man auf diesen Begriff und staunt, dass er auch ganz anders verwendet wird und semantisch, also von der Bedeutung her, so fern vom unrühmlichen Paparazzi gar nicht entfernt ist. So verwendet die Frankfurter Neuen Presse Ende April dieses Jahres unter der Überschrift “Spektakel in Oggersheim” einen kurzen Text, in dem das Treffen des Altbundeskanzlers Helmut Kohl mit dem ungarischen Ministerpräsidenten Viktor Orban kommentiert wird. Der Autorin dieses Kommentars, Cornelie Barthelme, geht es dabei vor allem um den Aspekt der Öffentlichkeitsarbeit in Zusammenhang mit dem besagten Treffen. Zuerst, so schreibt Fr. Barthelme, sei es die Bild-Zeitung gewesen, in der das private Treffen “Wochen zuvor kundgetan wurde”. Dann sei “zwei Tage vorab unter dem Namen des Hausherrn (gemeint ist der Altbundeskanzler; m.Anm.) ein Text in einer seriösen Berliner Zeitung” erschienen. Und dann sei es zu dem Treffen gekommen: “unter Polizeischutz und Medienbeobachtung”.

Der Begriff der Medienbeobachtung wird hier also sozusagen umgedreht. Nicht ein Dienstleister beobachtet hier die Medien, sondern die Medien selbst – bzw. die für die verschiedenen Publikationen tätigen Journalisten – beobachten erst noch ein Ereignis. Der Kreis schließt sich aber dadurch, dass das die Zusammenstellung des medialen Echos dieses Ereignisses in den Medien wiederum eine Aufgabe für den Medienbeobachter ist.

Und es ist nur normal, dass der Altbundeskanzler seinem Freund ein paar Tage nach dem Treffen eine Pressemappe mit den Ausschnitten und Veröffentlichungsnachweisen zukommen läßt, in denen das “Spektakel in Oggersheim” Erwähnung fand.