Schimpansen: nicht unverständlich

Foto: Marijn Vandevoorde

Bonobos und Schimpansen sehen sich sehr ähnlich. Das ist kein Zufall. Beide gehören derselben Gattung an. Schimpansen sind im Durchschnitt etwas größer, Bonobos etwas kleiner. Deshalb werden Bonobos auch als Zwergschimpansen bezeichnet.

Das Interessante aber ist, dass sich beide Spezies sozial ähnlich wie der Mensch verhalten. Das hat jetzt ein Team um Raphaela Heesen von der Durham University in England herausgefunden. Bevor Affen eine gemeinsame Handlung beginnen, senden sie sich mimische oder gestische Zeichen. Das hat den Sinn, dass gemeinschaftliches Handeln so abgestimmt wird, dass beide Seiten entscheiden, daran teilzunehmen oder die einmal begonnene Aktion zu beenden.

Unter Menschen begrüßt man sich, bevor man zum Beispiel miteinander redet, und man schaut (bewusst oder unbewusst) auf die Uhr, um ein Gespräch zu beenden. Möchte man zahlen, hält man den Arm hoch und tut, als wolle man etwas in die Luft schreiben.

Menschenaffen verwenden andere Zeichen. Sie berühren sich, halten Händchen, pressen die Köpfe aneinander und schauen sich lange in die Augen, bevor sie miteinander spielen oder sich gegenseitig das Fell putzen.

Bonobos scheinen dabei etwas eifriger als ihre großen Brüder und Schwestern zu sein. Vor einer Interaktion begrüßen sich Zwergschimpansen in 90% der Fälle, während die großen Schimpansen dies “nur” in knapp 70% der Fälle tun. Beiden aber scheint die Verabschiedung wichtiger zu sein. Hier tauschen Bonobos und Schimpansen in 92% bzw. 86% der Fälle Zeichen aus, bevor sie sich trennen.

Die Unterschiede zwischen beiden Affenarten erklären die Forscherinnen und Forscher der Durham University so: “Schimpansen leben in eher despotischen, stark hierarchisch organisierten Gesellschaften. Bonobos sind hingegen eher egalitär veranlagt, enge Freundschaften und Mutter-Sohn-Beziehungen sind ihnen wichtig. Bonobo-Gesellschaften schätzen soziale Verbindungen mehr und gelten als offener und toleranter.”

Burkhard Heinz
mediatpress®