Lange Texte aus der Printpresse

Ohne Titel

Bei der Auswertung der Printpresse werden Ausschnitte gefunden, die ganz unterschiedlich lang sein können. Mit der letzten Lieferung am vergangenen Freitag hat eine Einrichtung aus dem Bereich Kunst einen sage und schreibe 62 Seiten umfassenden Text geliefert bekommen.

Normal ist das nicht.

Die meisten Ausschnitte beinhalten nicht mehr als 350 Worte und erstrecken sich über zwei oder drei Spalten. Das Besondere an dem genannten Fall war nun folgende E-Mail des Kunden, die er nach Erhalt der entsprechenden Lieferung an uns schrieb und die ich hier sinngemäß wiedergebe.

Es heißt dort u.a. “…, die wir mit der letzten Lieferung erhalten haben. Da wir die Zeitschrift hier abonniert haben, benötigen wir nur die Seite mit der Nennung unseres Namens. Vielen Dank…” und so weiter.

Zu dem genauen Motiv für dieses Anliegen kann ich nichts sagen. Vermutungen gibt es aber mindestens drei.

1. der Zeitaufwand, der nötig ist, um alle 62 Seiten nach dem Namen (Suchvorgabe) zu durchsuchen, der überhaupt Grund für die Lieferung gewesen ist
2. die Kosten für einen Treffer, der eine sinnvolle, aber 61 weniger sinnvolle Seiten umfasst.
3. die Papierverschwendung (siehe 2.).

Hier erstmal meine Überlegungen
zu 1. (Zeitaufwand für’s Suchen)
Ich weiß nicht, wie es andere Dienste handhaben, aber bei den von uns gelieferten Ergebnissen muss der Kunden überhaupt nach nichts suchen. Wenn er seine Lieferung bekommt, ruft er das Onlineportal auf. Hier findet er eine Liste mit seinen neuesten Ergebnissen. Diese Übersicht entspricht genau der Reihenfolge der Ausschnitte im postalischen Umschlag. Nehmen wir an, der 62-seitige Ausschnitt lag im Umschlag an Position zwei. Dann befindet sich im Onlineportal ebenfalls an Position zwei der zu dem Original passende Eintrag. Am Ende der entsprechende Zeile, haben wir eine bearbeitete Kopie der Nennung hinterlegt. Diese klickt der Kunde an und sieht ganz genau, an welcher Stelle der Name seiner Einrichtung fiel. Suchen geht anders.

zu Punkt 2. (Kosten für Überlange)
Die Lektorinnen und Lektoren sind angehalten, nicht nur die bloße Nennung einer Suchvorgabe auszuschneiden, sondern den ganzen Artikel. Man kann andere Lösungen vereinbaren, aber wenn nichts anderes vereinbart wurde, dann immer, wie gesagt, der ganze Artikel. Kostenmäßig ist das etwas ungünstig. Aber nicht für den Kunden, sondern nur für uns. Weil wir einen extrem langen Text – wie den hier besprochenen – genauso abrechnen wie einen deutlich kürzeren Text. Das hat mit der so genannten “Überlänge” zu tun, die beginnt, wenn ein Artikel größer als eine DIN A4-Seite ist. Der entsprechende Artikel wird dann doppelt berechnet. Und es spielt (leider) keine Rolle, ob der Ausschnitt dann zwei DIN A4-Seiten umfasst oder, wie im vorliegenden Fall, 62. Eine Kostensteigerung durch überlange Artikel geht anders.

zu Punkt 3. (Papierverschwendung)
(schweigen)

Die einzige Möglichkeit, die wir haben, um entsprechende Einzelfällen zu vermeiden, ist, die jeweilige Suchvorgabe durch eine Anmerkung zu ergänzen. Weil aber jede Anmerkung eine zusätzliche Anforderung an die im Lektorat arbeitenden Damen und Herren bedeutet, müssen entsprechende Modifikationen berechnet werden. Das führt dazu, dass die Grundpreise sich zu Ungunsten des Kunden verändern. Ist das bei solchen Ausnahmeartikeln sinnvoll? Klare Antwort: nein! Weil es absolute Ausnahmen sind.

Angesichts des Umstands
a.) dass der Kunde die Zeitschrift selbst abonniert hat und
b.) dass kürzere Artikel in dieser Zeitschrift tatsächlich eher die Ausnahme sind

hat der Kunde die Möglichkeit, die genannte Zeitschrift einfach, schnell und kostenlos von der Medienbeobachtung auszunehmen (und so auch eine Menge Papier zu sparen).