Marilyn Monroe, der Fotograf und die Medienbeobachtung

Die Konkurrenz in Hollywood zu Anfang der 1960er Jahre war sehr groß. Viele Filme mit den entsprechenden Stars wurden gleichzeitig gedreht. Irgendwo dazwischen, Marilyn Monroe. Ihre letzten Filme liefen auch nicht mehr so gut. 1962 war sie für Something’s Got to Give engagiert.

Während sie hier für 20th Century Fox arbeitete, waren Anne Bancroft und Patty Duke als Hauptdarstellerinnen in “Licht im Dunkeln” beschäftigt; Bette Davis und Joan Crawford spielten in “Was geschah wirklich mit Baby Jane?”; Katharine Hepburn arbeitete in “Lange Reise in die Nacht” mit Regisseur Sidney Lumet; Geraldine Page und Paul Newman drehten “Süßer Vogel Jugend”; Lee Remick und Jack Lemmon bereiteten sich auf “Die Tage des Weines und der Rosen” vor; und Gregory Peck spielte den Rechtsanwalt Atticus Finch in “Wer die Nachtigall stört”.

Am Set von “Something’s Got to Give” machte das Verhalten von Monroe die Produzenten nervös. Sie hatte sich offensichtlich nicht geändert. Während der Realisierung ihres vorigen Films, “Misfits”, 1961, war Clark Gable verstorben. Die Presse machte Monroe für seinen Tod verantwortlich. Bei den Dreharbeiten in der Wüste Nevadas habe Clark Cable die Warterei auf die chronisch unpünktliche Monroe einfach nicht überlebt.

Jetzt also, 1962, “Something’s Got to Give”. Bei diesem Projekt platze 20th Century Fox schließlich der Kragen. Marilyn Monroe wurde entlassen und für den vermeintlich von ihr verursachten Schaden verklagt. Der Film wurde nicht zu Ende gedreht.

Als Standfotograf für diesen Film wurde der unbekannte Lawrence Schiller verpflichtet. Die Gelegenheit, Marilyn Monroe zu fotografieren, war für ihn ein Geschenk. Das war Schiller klar. Das erste Treffen fand im Mai 1962 statt. Du bist berühmt, sagte er zu Monroe, und jetzt wirst du auch mich berühmt machen. Das war irgendwo auf dem Gelände der Fox. Die allerersten Einstellungen sollten gedreht werden.

Der Höhepunkt sollten allerdings ein paar Wochen später die Fotos im Schwimmbad sein. Vertraglich hatte man Marilyn Monroe verpflichten können, nackt zu schwimmen. Keiner dachte ernsthaft daran, dass sie wirklich nackt sein würde.

Sie trug dann einen fleischfarbenen Bikini. Das sah schon sehr beeindruckend aus. Als sie aber im Wasser war, zog sie nach einer kurzen Weile zuerst das Oberteil und dann auch die Bikini-Hose aus. Die Sicherheit, die Monroe als Model ausstrahlte, war sagenhaft. Schiller schoss 16 Schwarzweiß- und drei Farbfilme mit jeweils 36 Aufnahmen. Das war am 16. Juli 1962.

Monroe hatte ein Mitspracherecht bei der Auswahl der Aufnahmen, die veröffentlicht werden sollten. Mit 50 Fotos war sie einverstanden, der Rest wurde verbrannt. Die Bilder waren so gut, dass sich Zeitschriften im In- und Ausland um sie rissen.

Den Anfang machte die Zeitschrift Life, die Monroe nach zehn Jahren wieder eine Titelseite widmete, wie man hier sehen kann . Da die Medienbeobachtung gut lief, konnte Schiller Marilyn Monroe in den nöchsten Tagen ständig neue Zeitschriften mit ihren Fotos bringen. Die damit verbundene Publicity kam Monroe sehr gelegen.

Lawrence Schiller, der heute 84-jährig in New York lebt, wurde tatsächlich reich und berühmt. So, wie er es im Mai 1962 vorausgesagt hatte. Marilyn Monroe lebte nur noch zwei Monate. Am 4. August 1962 fand man sie in ihrem Schlafzimmer. Sie war grade einmal 36 Jahre alt.
Burkhard Heinz
mediatpress®