Schlafen, Arbeit, Medien

durchschnittliche Zeit, die für schlafen, Arbeit und Medien verwendet wird

In der Langzeitstudie ARD/ZDF-Massenkommunikation 2020 (-> PDF) heißt es unter anderem, dass alle Menschen in Deutschland, genau 99%, täglich Medien nutzen. Das ist nicht weiter überraschend. Dass man aber, so die erwähnte Studie, durchschnittlich 424 Minuten oder mehr als 7 Stunden mit Medien verbringt, hat zumindest mich etwas nachdenklich gemacht. Besteht das Leben der Menschen mittlerweile nur noch aus einem Drittel Schlaf, einem Drittel Arbeit und, so die erwähnte Studie, einem Drittel Fernseher, Computer und Smartphone?

Schauen wir uns hierzu die von der Studie mitgelieferten Tagesreichweiten an.

Die Tagesreichweite ist ein Fachbegriff aus der Medienforschung und bezeichnet den Anteil der Personen ab einem bestimmten Alter, die im Tagesverlauf für einen bestimmten Mindestzeitraum Radio hören, fern sehen, Bücher, Zeitungen oder Zeitschriften lesen oder im Internet sind.
In der genannten Studie wird die Tagesreichweite für Bewegtbild – gemeint sind TV, Youtube, Streamingdienste – mit 86% angegeben. Der gleiche Wert für Audio – also Radio, CD, Spotify – beträgt 82%. Für Textmedien – gemeint sind Zeitungen, Zeitschriften, Websites, Soziale Medien und Bücher – weist die Studie einen Wert von 47% aus.
Der Umstand, dass die Summe der genannten Prozentzahlen 215% beträgt, weist nun auf einen sehr wichtigen Sachverhalt hin: Medien werden nicht immer exklusiv genutzt. D.h. man schaut die Tagesschau während man das Abendessen abräumt, man hört einen Podcast, während man seine Joggingrunden dreht, man bügelt beim Tatort oder man hört Radio während man Auto fährt. Auch ist die gleichzeitige Nutzung verschiedener Medien vor allem bei Jüngeren verbreitet, die sich mit Instagram, Tiktok oder Whatsapp beschäftigen, während sie im Hintergrund Spotfy laufen haben.

Aus den genannten 424 Minuten Mediennutzung täglich kann also keine Drittelung des Alltags im obigen Sinn und keine besorgniserregende Realitätsferne abgeleitet werden.

Burkhard Heinz
mediatpress®