Intelligenzblatt

Dass Printmedien auch seltsame Namen haben können, dürfte nicht überraschen. An anderer Stelle habe ich den “Patriot” oder die “Laber Zeitung” bereits erwähnt. Grade heute kommt mir ein die aktuelle Ausgabe eines Druckwerks des Typs auf den Tisch, dessen korrekte technische Bezeichnung Anzeigen- oder Wochenblatt lautet. Andere, umgangssprachlich verwendete, abwertende Bezeichnungen sind Käse- oder Revolverblatt. Das Blättchen, das nun grade vor mir  liegt, nennt sich selbst “Intelligenzblatt”, was meinem Empfinden nach nur ironisch gemeint sein kann. Doch, weit gefehlt: Intelligenzblatt ist ein historischer Begriff und war, so Wikipedia, die erste Form eines Anzeigenblatts. Der Begriff “Intelligenz” habe nichts mit gewissen kognitiven Fähigkeiten zu tun, sondern leite sich ab von “Einsicht” (lat: intellegere).

Hier wiedergegeben ist eine Ausgabe des Intelligenzblatts aus dem Jahre 1811

Intelligenzblatt_1811

Schwedenbombe

Die LK-Handeszeitung schreibt in ihrer heutigen Ausgabe, dass das österreichische Unternehmen

Niemetz am 17. Juni 2014 den ersten “Tag der Rettung der Schwedenbombe” beging, denn nach der nahtlosen Übernahme des insolventen Traditionsunternehmens durch die Heidi Chocolat AG sind im Jahr 2013 an diesem Tag die Schwedenbomben zum ersten Mal unter der neuen Leitung hergestellt worden.

Ich gebe zu, dass ich mich gefragt habe, was denn eine Schwedenbombe ist. Verräterisch war allerdings das Auftauchen des Wortes “Chocolat” im Text. Schwedenbombe konnte also nichts Böses sein. Schon die Bildersuche im Internet führte zu einem Aha-Erlebnis.

Niemetz Schwedenbomben Foto: Clemens Fabry

Public viewing

Im amerikanischen Englisch meint “Public Viewing” etwas ganz anderes als im Deutschen, so die Süddeutsche Zeitung heute. Man könne es nicht oft genug sagen: “public viewing” bringt man in den Vereinigten Staaten von Amerika nicht mit nationalfarbig bemalten Menschen vor Großbildleinwän-den in Verbindung, sondern mit dunkel gekleideten Personen vor Särgen, denn das Begriffspaar meint hier nichts anderes als eine Leichenschau.

URL

Eigentlich müsste Hr. Dr. URL – die Abkürzung steht für Uniform Resource Locator und meint die Adresse einer Website –  wegen seines Nachnamens mindestens Berater des neuen Microsoft-Chefs in Sachen Internet oder Google-Vorstandsvorsitzender geworden sein. Ist er aber nicht. Laut heutiger Ausgabe der Fachpublikation Fleischwirtschaft wurde er “geschäftsführender Direktor der Europäischen Lebensmittelsicherheitsbehörde (EFSA)”. Mit Vornamen heißt der Mann übrigens Bernhard. Und sein Nachname ist tatsächlich keine Abkürzung.

Keks-Etymologie

Das Wort “Keks” ist eine Erfindung der Firma Bahlsen und geht auf die Eindeutschung des englischen Wortes “Cakes” zurück. Damit wollte Hermann Bahlsen das Gebäck “salonfähig” machen, so schreibt heute u.a. die Welt. Der Enkel des Firmengründers ist jetzt mit 86 Jahres gestorben.

Leer

Zugegeben: Witze über Ostfriesen gehören in die Zeit als das Internet noch nicht existierte. Gibt es da einen Zusammenhang den ich nicht verstehe? Führt die Domain www.ostfriesenwitze.de deshalb zu einer Website, wo ausgerechnet Werbung für Kaffeevollautomaten gemacht wird, weil in Ostriesland mehr Tee getrunken wird nirgendwo sonst auf der Welt – wenn man Wikipedia glaubt.

Nackt

Zitat: “Nachdem Le Corbusier die Sängerin und Tänzerin Josephine Baker 1929 nackt gezeichnet hatte, forderte er ‘neue Bauwerke aus dem Geist ihres Tanzes’! Charles-Édouard Jeanneret-Gris – so Le Corbusier mit bürgerlichem Namen – war einer der bedeutendsten und einflussreichsten Architekten des 20. Jahrhunderts.” (Financial Times Deutschland 14.09.2011)

Zwei Seiten

Dieser Tage habe ich etwas länger mit einem Kunden über einen Ausschnitt korrespondiert. In dem besagten Ausschnitt kam die vereinbarte Suchvorgabe einfach nicht vor. “Schicken Sie den Artikel bitte zurück, Sie bekommen ihn dann gutgeschrieben,” habe ich gesagt. Was lag näher, als dass der Kunde den Artikel auf seinen Scanner legte und ihn mir per E-Mail zukommen ließ – eine sehr gute Kopie, an der ich eigentlich überhaupt nichts auszusetzen hatte. “Wir benötigen den Originalartikel”, musste ich zurückmailen, “Sie bekommen Ihr Porto natürlich auch erstattet”. 

Was will mediatpress® denn mit dem Papierausschnitt?, mag sich der Kunde gefragt haben. 

Auf der Kopie war wirklich alles gut zu sehen: der vollständige Ausschnitt mit Foto, Text und Überschrift, und das Medienblatt mit allen Veröffentlichungsdaten und allen internen Zahlen-Codes, die in Fällen einer Reklamation verständlicherweise etwas genauer unter die Lupe genommen werden. Aber, wie gesagt, dafür war die Kopie allemal genauso geeignet wie das Original. 

Aber trotzdem gibt es einen Unterschied zwischen der Kopie und dem Original. Es geht dabei nicht um, sagen wir mal, “zeichentheoretische Aspekte”. Es geht um so etwas simples wie die Vorder- und Rückseite eines bedruckten Sücks Papier. Denn genau lag der Grund für die Reklamation: der für den Kunden bestimmte Zeitungstext befand sich nämlich nicht, wie es sich gehört, auf der Vor-, sondern, für den Kunden nicht sichtbar, auf der Rückseite des Ausschnitts. 

Die Lektorin hatte die mit dem Kunden vereinbarte Suchvorgabe gefunden und korrekt markiert. Im Schnitt – hier werden die Zeitungen und Zeitschriften den Markierungen folgend auseinander geschnitten – hat die Cutterin zwar auch den markierten Zeitungstext richtig ausgeschnitten, aber nicht bemerkt, dass auf der Rückseite der besagten Zeitungsseite – exakt an der selben Stelle – ein zweiter, vollständiger Zeitungsartikel abgedruckt war, den die Cutterin, ohne es zu wissen, ebenfalls aus der Zeitung herausgeschnitten hatte. Als das perfekt sowohl auf Vorder- wie auf der Rückseite bedruckte Papier dann auf das Medienblatt – hier befinden sich alle Erscheinungsdaten wie Quelle, Datum, Auflage…. – aufgezogen wurde, sind Vorder- und Rückseite vertauscht worden und der Kunde erhielt seinen Ausschnitt ohne ihn wahrnehmen zu können. 

Als der reklamierte Ausschnitt bei mir ankam, brauchte ich also nur noch das Clipping vom Medienblatt abzulösen, ein neues Medienblatt zu erstellen, das Clipping umzudrehen und neu aufzuziehen, die Berechnung des Ausschnitts auf Null zu setzen und mich beim Kunden für die Unannehmlichkeiten zu entschuldigen.

Suppenwürfel

“Suppen-Hersteller Zamek stellt Insolvenzantrag”, so meldet heute u.a die Westdeutsche Allgemeine Zeitung. Und läßt dabei nicht unerwähnt, dass der heutige Mehrheitsgesellschafter Bernhard Zamek ein Enkel des gleichnamigen Firmengründers und – jetzt kommt es – Erfinder des Suppenwürfels ist.

Und?

Was ist der Unterschied zwischen der Redaktion der Südthüringer Zeitung Bad Salzung aus Thüringen und der Redaktion der Badischen Zeitung Ettenheim aus Baden-Württemberg? In beiden Medien hat man unterschiedliche orthographische Vorstellungen. Die von DPA verbreitete Meldung wird in der Südthüringer Zeitung “Apps helfen beim Hobbygärtnern beim Säen, Gießen, Ernten” betitelt, während die Badische Zeitung in Kleinschreibung titelt “Apps helfen beim Hobbygärtnern beim säen, gießen, ernten”. In der an die Redaktionen versendeten DPA-Meldung war leicht abgewandelt zu lesen gewesen “Säen, gießen, ernten: Mit diesen Apps blühen Hobbygärtner auf”. Und? Redaktionelle Freiheit?