Suppenwürfel

„Suppen-Hersteller Zamek stellt Insolvenzantrag“, so meldet heute u.a die Westdeutsche Allgemeine Zeitung. Und läßt dabei nicht unerwähnt, dass der heutige Mehrheitsgesellschafter Bernhard Zamek ein Enkel des gleichnamigen Firmengründers und – jetzt kommt es – Erfinder des Suppenwürfels ist.

Und?

Was ist der Unterschied zwischen der Redaktion der Südthüringer Zeitung Bad Salzung aus Thüringen und der Redaktion der Badischen Zeitung Ettenheim aus Baden-Württemberg? In beiden Medien hat man unterschiedliche orthographische Vorstellungen. Die von DPA verbreitete Meldung wird in der Südthüringer Zeitung “Apps helfen beim Hobbygärtnern beim Säen, Gießen, Ernten” betitelt, während die Badische Zeitung in Kleinschreibung titelt “Apps helfen beim Hobbygärtnern beim säen, gießen, ernten”. In der an die Redaktionen versendeten DPA-Meldung war leicht abgewandelt zu lesen gewesen “Säen, gießen, ernten: Mit diesen Apps blühen Hobbygärtner auf”. Und? Redaktionelle Freiheit?

Arbeit

Wenn ein neuer Kunde eine Medienbeobachtung in Auftrag gibt, wird er in der Regel gefragt, ob es einen kleinen Text gibt, der beschreibt, worum es bei dem, wonach wir suchen sollen, geht. Das soll den Blick der Lektorinnen und Lektoren etwas schärfen, denn es kann ja nicht darum gehen, eine Nadel im Heuhaufen zu suchen. Der Kunde kommt diesem Wunsch in aller Regel gerne nach.
Die Ergebnisse, die die Lektoren finden, gehen alle noch einmal über meinen Tisch. Im Schnelldurchgang versuche ich – soweit möglich – Fehler aufzuspüren und zu korrigieren. Manchmal enthält ein Text die notierte Suchvorgabe gar nicht, manchmal ist die Quellenangabe unzureichend. Der Kunde wird mit diesen Unzulänglichkeiten nicht belästigt, wenn ich meine Arbeit gut mache.
Nun liegt gestern plötzlich ein kurzer Text vor mir, in dem es um einen Bankraub geht. Nein, weiß ich, weder die Polizeibehörde noch die genannte Bank sind Kunden. Ich will den fraglichen Ausschnitt schon fast wieder zurückgeben, als mein Blick, wie durch Zufall, auf das Foto der Überwachungskamera fällt. „Wer kennt diese Person?“, wird dort gefragt. Die Person kenne ich nicht, aber das Logo auf der Jacke fällt mir auf.
Den Medienbeobachtungsauftrag des besagten Kleidungsherstellers habe ich damals, glaube ich, sogar selbst entgegen genommen. Von einem Schwerpunkt „Arbeitskleidung“ war die Rede. Daran erinnere ich mich. Den Begriff „Arbeit“ aber so weit auszulegen, wäre mir im Traum nicht eingefallen. Wäre ich Lektor, ich hätte das bekannte Logo mit dem Vogel glatt übersehen.

Geld

„Geld macht vielleicht nicht glücklich, aber es macht wenigstens nicht arm.“

In Kürze

Nicht alles, was in Zeitungen steht, ist gut. Manchmal ist es die Form, an der es fehlt, manchmal der Inhalt. Manchmal bedingt eins das andere.
So berichtet die vor mir liegende Sonntagszeitung auf der ersten Seite von einem Brand in einer Flüchtlingsunterkunft in Hamburg, bei dem drei Menschen ums Leben gekommen sind. Ein 13 Jahre alter Junge soll die Tat begangen haben, so die Meldung der Deutschen Presse Agentur. Der besagte Zeitungstext endet mit einem Zitat des SPD-Innensenators: „[Das] hat mich mehr als erschrocken und wütend gemacht…, dass offenbar ein 13-Jähriger, der sich gerade einer Jugendfeuerwehr angeschlossen hat, den Brand verursachte.“
Soweit die etwas zu kurze journalistische Auslassung.
Frage: Was veranlasst die Deutsche Presse Agentur zu dem angeführten Zitat, in dem ein Innensenator Entsetzen NICHT über den Tod einer Frau und ihrer sechs- und siebenjährigen Kinder ausdrückt, sondern über den guten Ruf der Jungendfeuerwehr schwadroniert? Antwort: Die Deutsche Presse Agentur (DPA) meldet das Wichtige und läßt das Unwichtige weg. Wichtig ist die Sorge um die Hamburger Jugendfeuerwehren und ihr guter Ruf; unwichtiger der erneute Tod von drei Personen in einer Flüchtlingsunterkunft.
Herr Michael Neumann ist aber so ganz unfair nicht zitiert worden. Auf seiner Website mit der etwas herrschaftlich klingenden Internetadresse neumann-hamburg.de gibt es einen ganzen Abschnitt, der den großen Titel „Erschrocken & wütend“ trägt. Hier heißt es denn auch über die Brandstiftung, die den Hamburger Innensenator erschrocken und wütend gemacht hat :“Erschrocken, weil ich mir die Frage stelle, wie ein junger Mensch eine solch schreckliche Tat begehen kann.“ Absatz, und weiter. „Wütend deshalb, weil unsere Freiwilligen Feuerwehren mit ihren Jugendfeuerwehren, die tagtäglich Großartiges für die Sicherheit der Hamburgerinnen und Hamburgern leisten.“ Abatz, und noch weiter. „Deshalb sind die Jugendfeuerwehren auch zurecht in 2013 für ihre vorbildliche Arbeit mit dem Deutschen Nationalpreis (sic) ausgezeichnet worden.“ Und der Innensenator ist deswegen wütend, nicht, weil seine Behörde es wieder einmal nicht geschafft hat, Menschen zu schützen, sondern weil ein 13-jähriges Mitglied der Hamburger Freiwilligen Feuerwehren nun den „Deutschen Nationalpreis“ entehrt hat.
Ich schlage die DPA und Michael Neumann für den DEUTSCHEN NATIONALpreis 2014 vor, weil sie für die deutschen Leser und Deutschland unerschrocken zu unterscheiden wissen zwischen dem, was wichtig, und den andern, die unwichtig sind.

Penny

Heute fällt mein (privater) Blick beim Zeitunglesen auf ein Foto in der Stuttgarter Zeitung. Berichtet wird von einem Mann, der wegen Hochstapelei und Vergewaltigung zu 11 Jahren Gefängnis verurteilt wurde. Auf dem besagten Bild ist der Mann zu sehen, sein Verteidiger und eine dritte Person. Der Verurteilte möchte nicht erkannt werden. Er hält aus diesem Grund eine Einkaufstasche vor sein Gesicht. Darauf steht der Satz: „Immer erst zu Penny“.

Filzstift

Mehr als 360.000 Kilometer von der Erde entfernt, rettete 1969 ein Filzstift das Leben der Apollo 11 Besatzung: Auf dem Rückflug von der Mondmission stellte der Astronaut Buzz Aldrin fest, dass der Hebel eines wichtigen Schalters abgebrochen war. Kurzerhand ersetzte er diesen durch einen Filzstift.

Gewalt

Auch mit Gewalt schafft man es nicht, ein dünnes Blatt A4-Kopierpapier mehr als sieben Mal zu falten. Wer nun denkt, größere Papierformate ließen sich automatisch auch viel häufiger falten, irrt sich gewaltig: Auch bei A0 ist nach acht Faltvorgängen Schluss. Der Grund: Die durch das Falten aufeinanderliegenden Lagen werden höher, als es die Umschlagkante erlaubt.

Prost!

Das Wortbild stimmt – von weitem. Alle Buchstaben sind vorhanden – nur eben nicht in der richtigen Reihenfolge: so sehen die besonderen Herausforderungen für Lektoren aus. Es ist also verständlich, wenn die Potsdamer Neuesten Nachrichten am 18.1.2013 einen Bericht über eine Demonstration in Berlin mit „Prostet gegen die Agrarindustrie“ betiteln.