Kriminelle Energie

Eines der Produkte einer bayerischen Porzellanmanufaktur spielte bei der Fahndung nach einem Bankräuber eine Rolle. Statt die Kenntnisse über Inhalt und Verbreitung der Pressemeldungen aber als Anregung für das eigene Marketing zu nutzen, bemängelte der Kunde unsere Arbeit. Schade, denn die kriminelle Energie eines eleganten Kaffeeservice war damit hin. Der Film „Arsen und Spitzenhäubchen“ (1941) wäre niemals gedreht worden.

König Kunde

Eine moderne Kundenbetreuung weiß auch mit verärgerten Zeitgenossen umzugehen. Früher hörte man in diesem Zusammenhang immer den Satz, dass der Kunde König sei. In einer Zeit aber, in der Monarchen nur noch wenig mehr Charme als gehäkelte Platzdäckchen haben, sollte auch der Umgang mit dem Kunden ehrlicher werden. Verärgerte Kunde, die Recht haben, sollten Recht bekommen; verärgerten Kunden, die nicht Recht haben, sollte man das Privileg einräumen, dass man ihnen zuhört und sie ernst nimmt. Es gibt nicht viele Möglichkeiten einem Kunden zu zeigen, wie wichtig er einem ist. Die wenigen Möglichkeiten, die man hat, sollte man nutzen.

Zeitungsglück

Hier ist es ruhig. In der Wohnung oben höre ich vereinzelt Schritte oder Geräusche, die wie Küchenarbeit klingen. Die Sonne scheint. Die Temperaturen werden auch heute nicht über Null steigen. Ein Auto fährt vorbei. Auf dem Tisch die Tageszeitung. Ein Glück: das Interview mit dem weltbekannten Regisseur, der versessen auf Neues ist und dessen jüngster Film soeben in den Kinos angelaufen ist; das Leipziger Schulmuseum mit seiner Ausstellung über oppositionelle Jugendbanden während und kurz vor der Nazizeit; die Rebellion international angesehener Wissenschaftler gegen den einflussreichsten Wissenschaftsverlag und dessen restriktive Publikationspraxis; krankmachende Praktiken des nicht immer gesunden Yogas…. . Viel mehr als ein paar Texte über Dinge, die ich noch nicht wusste, muss mir die Welt nicht bieten.

Die Heiteren

Das von Leonardo da Vinci gemalte Bild, das in Deutschland unter dem Namen Mona Lisa bekannt ist, hängt im Louvre. Das ist bekannt. Etwas weniger bekannt ist, dass das Bild z.B in Italien und Spanien „La Gioconda“ (die Heitere) heißt. Noch etwas weniger bekannt ist, dass im spanischen Prado ein Bild hängt, das ebenfalls diesen Namen trägt und (wahrscheinlich) dieselbe Frau abbildet. Die spanische Zeitung El Pais meldet heute, dass die Autorenschaft der „spanischen“ Gioconda geklärt werden konnte. Das Bild entstand zur selben Zeit wie die Mona Lisa, stammt aber entweder von Andrea Salai oder von Francesco Melzi. Folgt man der englischen Ausgabe von Wikipedia, so ist der richtige Name von Andrea Salai Gian Giacomo Caprotti da Oreno. Als Leonardo da Vinci 1524 stirbt erbt Gian Giacomo Caprotti da Oreno, der auch als Geliebter Leonardos betrachtet wird, die Mona Lisa.

Kristallzüchtung

Warum soll ich Zeitung lesen, sagte mein Nachbar früher immer, es steht ja doch immer dasselbe drin. Gegen die hinter dieser Meinung stehende persönliche Haltung gibt es wenige schlagkräftige Argumente. Grad heute aber „läuft mir eine Meldung über den Weg“, von der ich überzeugt bin, dass sie mir aufgefallen wäre, hätte ich sie schon einmal gelesen. Da heißt es nämlich, dass Jochen F. den Vorsitz – Achtung, jetzt kommt es – der Deutschen Gesellschaft für Kristallwachstum und Kristallzüchtung übernimmt. Ich frage mich, warum manche Leute an Wunder glauben, wenn doch die „normale Welt“ schon so unerklärlich ist.

Verhalten

Wie verhält man sich als Dienstleister, wenn man von einem Kunden mit Werbemails beglückt wird? Sicherlich belastet man die Kundenbeziehung nicht durch Unfreundlichkeit. Gegen einen freundlich formulierten Hinweis aber, dass die besagte eMail-Adresse wohl in einem falschen Verteiler gelandet ist, wird der Kunde nichts haben. Sinnvolle PR weiß zwischen eMail-Versendungen und Massentierhaltung zu unterscheiden.