“Nomen non est Omen”

Namen von Zeitungen spielen bei der Medienbeobachtung eigentlich keine Rolle. Das würde nur verwirren. So ist der “Trierische Volksfreund” schon wegen des leicht zu übersehenden zweiten Buchstabens kein Veröffentlichungsblatt für Veterinärmediziner. Auch ist “Der Patriot” kein Kampfblatt der Ewiggestrigen, sondern als “Lippstädter Zeitung” nur eine Unterausgabe des Westfälischen Anzeigers. Und das “Jeversche WOCHENblatt” ist kein wöchentlich erscheinendes Medium, sondern eine Tageszeitung. „“Nomen non est Omen”“ weiterlesen

Hannah Höch

Eine der bekannteren Persönlichkeiten, die sich im Bereich der Kunst mit der Medienbeobachtung beschäftigt haben, ist die Ende des 19. Jahrhundert in Gotha geborene Hanna Höch (Wikipedia), die dem Dada zugeordnet wird. Die Kunsthalle Mannheim (Website der Kunsthalle) hat in einer Ausstellung, die noch bis Mitte August 2016 zu sehen ist, ihre wichtigsten Werke zusammengestellt. Es ist die Collage, mit der sich die Lebensgefährtin unter anderem von Raoul Hausmann (Wikipedia) vor allem beschäftigt hat. Hannah Höch war die einzige Frau der Berliner Dada-Szene. Sie fand ihre Motive im urbanen Leben des frühen 20. Jahrhunderts, das, so Georg Leisten in der Stuttgarter Zeitung, das goldene Zeitalter der Printmedien war. Zeitungen, Zeitschriften und Plakate boten Hannah Höch einen Bilderschatz, den sie genussvoll ausschlachtete. Eines der bekannteren Bilder Höchs ist das kurz nach dem ersten Weltkrieg entstandene “Schnitt mit dem Küchenmesser…” (Bild ansehen), in dem die Dadaistin Bilder und Texte miteinander kombiniert, die sie vorher aus Zeitungen und Zeitschriften ausgeschnitten hat.

A Beautiful Mind

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John Nash erhielt 1994 den Nobelpreis für Wirtschaft. Er war Mathematiker und schizophren. In dem Film A Beautiful Mind erzählt Ron Howard das Leben dieses Mannes. 2001 erhält der Film vier Oskars, unter anderem für die beste Regie.

Es gibt immer wieder Filme und Bücher, in denen das Sammeln oder Auswerten von Medien behandelt wird. Ist man Medienbeobachter dann schaut man auf künstlerische Erwähnungen dieses Metiers mit besonderem Interesse. In A Beautiful Mind gibt es mindestens zwei Szenen, die in diesem Zusammenhang besonders erwähnenswert sind. Kurioserweise bedient sich der Regisseur dabei einer Kenntnis von der Arbeit eines normalen Lektors (die eigentlich niemand hat), der er aber durch bewusste Übertreibung etwas Wahres abringt: denn was man zu sehen bekommt, kann nicht das Werk eines NORMALEN Lektors sein.
Erzählerisch macht Ron Howard im ersten Teil des Films den Zuschauer und den Protagonisten in ihrer jeweiligen Wahrnehmung der Realität zu Komplizen. Sowohl John Nash wie wir wissen nicht, mit was genau wir es zu tun haben: mit einer individuell halluzinierten Wahnwelt oder einer allgemein zugänglichen Wirklichkeit. Diese Komplizenschaft aber wird in den besagten Szenen aufgekündigt; der Zuschauer wird aus der kinematographischen Symbiose, die er mit dem Hauptdarsteller eingegangen war, herausgeworfen und der spätere Nobelpreisträger, interpretiert von Russell Crowe, bleibt um so einsamer zurück.

In beiden Szenen ist es Alisha, die Frau des Matematikers, gespielt von Jennifer Connelly, die uns bei diesem Bruch begleitet. Der Ort in der ersten Szene ist ein Zimmer in der nordamerikanischen Princeton-Universität, wo John Nash im “Auftrag der CIA und des Pentagons” arbeitet. In der zweiten Szene ist es ein heruntergekommener Schuppen in der Nähe des Wohnhauses der Familie; auch hier arbeitet Nash mit militärischer Unterstützung.
Während die Bilder in Princeton der Ehefrau auf tragischste Weise vor Augen führen, wie es um die psychische Gesundheit ihres Mannes bestellt ist, illustrieren die Aufnahmen im Innern des heruntergekommenen Schuppens, Jahre nach Princeton, dass die bezwungen geglaubte Krankheit nach wie vor aktiv ist.

Beide Male fährt die Kamera langsam zurück und zeigt einen vollkommen leeren Raum, dessen Wände von oben bis unten mit Zeitungs- und Zeitschriftenausschnitten beklebt sind, einer gar seltsamen Tapete, auf der Linien und Markierungen kein geheimes Kommunikations-Muster offenbaren, sondern den Realitätsverlust eines kranken Menschen.
Es ist nur verständlich, dass ein durchschnittlicher Zuschauer nicht weiß, was genau ein Lektor, der beruflich Zeitungen und Zeitschriften auswertet, tut. Es ist aber doch erstaunlich, dass ein durchschnittlicher Zuschauer recht genau zu wissen scheint, was ein normaler Lektor eben NICHT tut.
Anders würde A Beautiful Mind nicht funktionieren.

Notbremse

Seit einiger Zeit tragen wir bei mediatpress® die Ausschnitte für ein ausländisches Tourismusministerium zusammen, das eine deutsche PR-Agentur mit der Lancierung fremdenverkehrsfördernder Texte in Zeitungen und Zeitschriften beauftragt hat. Der Tenor: in X kann man einen schönen Urlaub verbringen. Am vergangenen Wochenende ist es nun zu einem furchtbaren Zwischenfall gekommen, der wieder einmal eine der Haupteinnahmequellen des besagten Landes gefährdet. Die Details sind bekannt. Wie verhält man sich aber als Medienbeobachter? Denn durch den Vorfall wird eine Lawine von Meldungen in Print-, Online- und audiovisuellen Medien losgetreten, die beim Kunden sehr viel Arbeit und sehr hohe Kosten verursachen kann. Ganz einfach: diese, durch einen außergewöhnlichen Vorfall generierten Texte, erhalten einen Vermerk und werden nur dann zugestellt und abgerechnet, wenn der Kunde dies wünscht. Kundenseitig ging aber bereits am Samstagmorgen eine entsprechende Mail ein, so dass heute morgen klar war, dass die am Wochenende zusammengetragenen Ergebnisse NICHT auch noch zu einem Problem für den Kunden werden sollten. Intern sprechen wir bei einem solchen kurzfristigen Stornierungsvorgang auch von einer Notbremse.